Freitag, 27. August 2010
Der letzte Akt
Am letzten offiziellen Tag in der REHA Höhenried gab es noch mal Ergometertraining (Yeah, ich habe die 130 Watt auf dem Ergometer jetzt immer gehalten...), Bewegungstherapie (Ball über die Schnur), Rückenschule (für mich auch ganz wichtig) und Spiele im Freien (an diesem heutigen Tag Spazieren gehen). Auch eine Einführung in die Wiederaufnahme des Krafttrainings habe ich erhalten. Ich werde mich zukünftig für ein paar Monate von Gewichten jenseits der 30 KG verabschieden dürfen. Immerhin darf mann/Frau aber auch mit Infarkt noch Krafttraining betreiben. Allerdings hatte ich auch Glück, weil ich keine bleibende Narbe haben werde. Gut so.

Eigentlich der letzte offizielle Akt war dann das Abschlussgespräch bei Frau Dr. T. Eindeutige Aussage: Jetzt liegts an mir selber, weiterhin gesund zu bleiben. Das heißt in meinem Fall: Blutfette weiter senken, Streß vermeiden bzw. minimieren und nicht das Rauchen und Trinken anzufangen. Nachdem ich den letzten beiden Vergnügungen auch zukünftig nicht nachgehen werde, bleibt also nur Streß weg und Blutfette runter. Ich werde sicherlich mein Bestes geben, weiß aber auch, dass das Gewohnheitstier in mir erst mal überlistet werden muß. Über den abschließenden freundlichen Satz von Frau Dr. T: "Vielleicht sehen wir uns ja bald wieder." hätte ich mich unter anderen Umständen sicherlich gefreut. In diesem Fall bin ich da aber nicht so scharf drauf...

Einige Leser meines Blogs (DANKE) haben mich gefragt, wie ich mit Depressionen usw. umgehe. Ich kann glücklicherweise sagen, dass ich diese Krankheit sofort "angenommen" habe. Soll heißen, ich habe grundsätzlich eine positive Lebenseinstellung und neige nicht zu Depressionen. Ich bemühe mich das Alles positiv zu sehen. Ich bin sogar der Meinung, dass nur wer viele Probleme und Krisen im Leben gemanagt hat, sich auch gelassen neuen Herausforderungen stellen kann und diese auch mit Leichtigkeit überwinden wird. Das Leben ist grundsätzlich kein Ponyhof. Aber es ist zumindest für mich einzigartig und immer lebenswert. Sicherlich gibt es ganz andere Sachen in Bezug auf das Herz. Aber gerade die Patienten mit Herzoperationen oder sogar Fremdherzen oder künstlichen Herzen waren im Speisesaal diejenigen, die meistens am lautesten gelacht haben. Mehr braucht man zur Eigentherapie bei solchen Fällen wohl nicht sagen.

Das Kapitel hier heißt "Der letzte Akt". Aber nur in diesem Stück "REHA Höhenried" fällt jetzt der Vorhang. Es wird in meinem Leben sicherlich noch viele weitere Stücke geben, mit vielen weiteren Akten. Bis dann irgendwann der wirklich letzte Vorhang fällt. Aber bis dahin ist wohl hoffentlich noch Zeit. Ich freue mich sehr, wenn ich dem Ein oder Anderen ein wenig Hilfestellung, Auskunft oder auch nur kurzweilige Unterhaltung geben konnte. Ich will nicht zum Abschluss hier den Gesundheitsapostel raushängen lassen. Aber niemand wird mir widersprechen, dass wir nur ein Herz und ein Leben haben. Diese Beziehung sollte gepflegt werden. Ich bin der Überzeugung, es lohnt sich.

Ich werde diesen Blog fortführen und weiter über mein Thema "Choronale Herkranzgefäßerkrankung" berichten. Zu meinen Erlebnissen in Höhenried darf ich abschließend noch sagen, dass ich mitunter ein wenig übertrieben habe (Ach was!) und auch bei den handelnden Akteuren andere Namen gesetzt habe. Ich kann aber versichern, dass es sie alle tatsächlich so gab.

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Donnerstag, 26. August 2010
Vorläufiges Fazit REHA Höhenried
Einen vollen Tag habe ich eigentlich noch, aber heute ist mir nach Fazit schreiben. Das Wichtigste: Als ich zur REHA kam war mein kleiner 2 jähriger Sohn schneller wie ich. Jetzt kann ich es wieder für ein paar Jahre mit ihm aufnehmen. Als ich zur REHA kam, hatte ich das Gefühl, meine vormals gute Kondition auf dem OP-Tisch vergessen zu haben. Jetzt sagen mir die Werte des Belastungs-EKG, dass ich wieder fit bin. Als ich zur REHA kam, hatte ich das Gefühl, dass meine Schulter- und Brustmuskulatur sich um die Hälfte verringert haben. Nach täglicher ausgiebiger Morgen- und Rückengymnastik kann ich wieder alle Verrenkungen machen. Aus medizinischer Sicht wird mir Frau Dr. T warscheinlich morgen beim Abschlussgespräch sagen, dass ich "austherapiert" bin. Es liegt nun an mir selber. In soweit richtig, doch wenn ich in die Runde und insbesondere auf die Bäuche im Speisesaal schaue, weiß ich, welches die Aufgaben Vieler zukünftig sein könnten. Ich bin da mit meinen (nun) 78,2 KG eher ein Fliegengewicht. Den vielen Rauchern und auch Trinkern wird der Arzt sicherlich zur Mäßigung bis hin zur Aufgabe ihrer Sucht raten. Das hat bei mir kein Erfolg, da ich weder rauche noch trinke. Ich habe die Veranlagung für choronale Herzkranzgeschichten. Da noch keine Gen-verändernden Medikamente erfunden wurden, muß ich damit leben. Cholesterin kann ich durch Tabletten und gesunde Ernährung in den Griff bekommen. Ich werde die Ratschläge befolgen und all die leckeren Pommes und Currywürste künftig ignorieren. Auch auf meinen Grill kommt nun nur joch vegetarisches Zeugs. Wie ich es schaffe, dass Thema Streß abzubauen, steht auf einem anderen Blatt. Das dieses (lebens-)wichtig ist, und wie es gehen könnte, habe ich hier in Ansätzen gelernt und gespürt. Meine Einstellung zum Leben zu überdenken, ist meine größte Hausaufgabe. Und die Wichtigste. Das Leben zu genießen ist bei Vollpension und mit Blick und Wandern am Starnberger See leicht. Die Kunst wird sein, die Leichtigkeit für den Alltag zu bewahren.
Ich habe hier Leute kennengelernt, die wären mit einem Infarkt, so wie er wohl bei mir abgelaufen, ist gut beraten gewesen. Die können aber demnächst nur noch mit maximal 50 % ihrer Herzleistung rechnen. Mein Gegenüber Uwe ist so einer. Seinen Job als Fernfahrer kann er vergessen. Sein Arbeitgeber hat ihm das schon signalisiert. Uwe hat trotzdem ne Menge Spaß und ist der, der über jeden REHA-Witz am Lautesten lacht. Andere haben noch in der REHA die Kündigung bzw. einen Aufhebungsvertrag erhalten. Die Namen solcher Arbeitgeber sollte man nach meiner Sicht öffentlich machen und deren Produkte und Dienstleistungen sabotieren.

Was gibts sonst noch zu meinem Aufenthalt in der REHA Klinik zu sagen? Ich habe noch nie in meinem Leben soviel Kg an Obst und Salate gegessen und Pfefferminztee getrunken. Selten war ich so oft draußen und bin spazieren gegangen, alleine. Ich habe selten soviel skurrile Typen kennengelernt. Keines der Gespräche und gemeinsamen Aktionen möchte ich jedoch missen. Die gemeinsame Krankheit und/oder der Infarkt mit Folgen schweißen Alle zusammen. Alles in Allem kann ich die Klinik in Höhenried für eine REHA empfehlen. Das Personal passt und ist freundlich und kompetent, das Essen ist gut, die Landschaft noch besser. Wer die REHA nicht braucht, umso besser. Der sollte am Wochenende seine Familie einpacken, und das öffentlich zugängliche Gelände mit dem einmaligem Park (inklusive einer Herde weißem Dammwildes für die Kleinen) besichtigen. Alleine das ist schon eine gute Therapie, damit man die REHA-Klinik nicht auch von Innen sehen braucht. Morgen gibts dann Alles zum letzten mal. Aber darüber berichte ich im letzten Kapitel morgen.

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Mittwoch, 25. August 2010
Der Engländer und Schach
Am üblichen REHA Tisch sitzen immer 6 Leute. An meinem Tisch sitzt immer noch Peter (der Religionslehrer), Uwe (der Vollschlanke), Didder (der Franke) und neuerdings Brigitte (die ihren Mund nicht zubekommt). Seit einigen Tagen muß noch jemand an unserem Tisch sitzen. Zu erkennen, an dem Essenkärtchen, auf dem die zulässige Anzahl der genehmigten Kalorien vermerkt ist und die gewünschten Menüs. Das Problem ist nur, bisher hat noch niemand den mysteriösen Patienten zu Gesicht bekommen. Auf seiner Karte steht ein englischer Nachname und auch die Diätassistentin behauptet, das Mr. Fitzgerald existiert. Natürlch sind die Mutmaßungen, wer dieser Mann denn nun sei äußerst vielfältig. Uwe behauptet, dass der Mann ein englischer Lord sein muß und auf seinem Zimmer essen würde. Brigitte hofft, dass er ein englischer Lord sei, den Sie vielleicht sogar aus ihren Tratsch und Klatsch-Blättern kennt. Sie kann dann zu Hause bei ihren Freundinnen kräftig erzählen. Ich gebe zu, dass der Nachname für mich typisch nach englischem Abenteurer klingt und freue mich bereits auf mächtig viele Geschichten von fernen Ländern usw. Nur zeigen müßte er sich mal. Ich beschließe, mich morgen als erster zum Frühstück zu begeben und ihn so lange festzuhalten, bis die anderen kommen.

Übrigens muß ich enttäuscht feststellen, dass der heutige Bastelkurs "Wir mischen uns eine Tagescreme" von Uschi ausfällt. Es haben sich nur 2 Patientinnen angemeldet. Schade. Dafür habe ich heute mit Uwe Schach gespielt. Wir haben hier riesige Outdoor-Schachfiguren. Uwe sieht nun nicht wirklich wie der intellektuelle Schachspieler aus und ich rechnete mir als Gelegenheitsschachspieler eine Chance aus. Beim Ausrechnen blieb es dann aber auch. Uwe hat mich in erschreckend wenigen Zügen Schach Matt gesetzt. das ging ziemlich schnell. Auch bei der Revanche sah ich nicht besser aus. Ich denke, ich sollte mit meinem Schubladendenken mal aufräumen. Ich habe hier (wenn auch zwangsweise) Menschen kennengelernt, mit denen ich in freier Wildbahn eher nicht ins Gespräch gekommen wäre. So eine Infarkt mit anschließender REHA kann also auch etwas zur Sozialisation beitragen. Für heute gehen dann jetzt die Lichter aus. Dieses Blurdruckmesssystem hat mich gestern und heute früh tatsächlich um den Schlaf gebracht. Trotz Schlaftablette auf natürlicher Basis. Gute Nacht!

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