Mittwoch, 25. August 2010
Der Engländer und Schach
Am üblichen REHA Tisch sitzen immer 6 Leute. An meinem Tisch sitzt immer noch Peter (der Religionslehrer), Uwe (der Vollschlanke), Didder (der Franke) und neuerdings Brigitte (die ihren Mund nicht zubekommt). Seit einigen Tagen muß noch jemand an unserem Tisch sitzen. Zu erkennen, an dem Essenkärtchen, auf dem die zulässige Anzahl der genehmigten Kalorien vermerkt ist und die gewünschten Menüs. Das Problem ist nur, bisher hat noch niemand den mysteriösen Patienten zu Gesicht bekommen. Auf seiner Karte steht ein englischer Nachname und auch die Diätassistentin behauptet, das Mr. Fitzgerald existiert. Natürlch sind die Mutmaßungen, wer dieser Mann denn nun sei äußerst vielfältig. Uwe behauptet, dass der Mann ein englischer Lord sein muß und auf seinem Zimmer essen würde. Brigitte hofft, dass er ein englischer Lord sei, den Sie vielleicht sogar aus ihren Tratsch und Klatsch-Blättern kennt. Sie kann dann zu Hause bei ihren Freundinnen kräftig erzählen. Ich gebe zu, dass der Nachname für mich typisch nach englischem Abenteurer klingt und freue mich bereits auf mächtig viele Geschichten von fernen Ländern usw. Nur zeigen müßte er sich mal. Ich beschließe, mich morgen als erster zum Frühstück zu begeben und ihn so lange festzuhalten, bis die anderen kommen.

Übrigens muß ich enttäuscht feststellen, dass der heutige Bastelkurs "Wir mischen uns eine Tagescreme" von Uschi ausfällt. Es haben sich nur 2 Patientinnen angemeldet. Schade. Dafür habe ich heute mit Uwe Schach gespielt. Wir haben hier riesige Outdoor-Schachfiguren. Uwe sieht nun nicht wirklich wie der intellektuelle Schachspieler aus und ich rechnete mir als Gelegenheitsschachspieler eine Chance aus. Beim Ausrechnen blieb es dann aber auch. Uwe hat mich in erschreckend wenigen Zügen Schach Matt gesetzt. das ging ziemlich schnell. Auch bei der Revanche sah ich nicht besser aus. Ich denke, ich sollte mit meinem Schubladendenken mal aufräumen. Ich habe hier (wenn auch zwangsweise) Menschen kennengelernt, mit denen ich in freier Wildbahn eher nicht ins Gespräch gekommen wäre. So eine Infarkt mit anschließender REHA kann also auch etwas zur Sozialisation beitragen. Für heute gehen dann jetzt die Lichter aus. Dieses Blurdruckmesssystem hat mich gestern und heute früh tatsächlich um den Schlaf gebracht. Trotz Schlaftablette auf natürlicher Basis. Gute Nacht!

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