Dienstag, 10. August 2010
Die (Wieder)Entdeckung der Langsamkeit
Der 2. Tag in der REHA begann mit Blutabnehmen bei Frau Dr. T. Ich war sofort wach und habe fleißig viel Blut gegeben. Ab zum Frühstück und dann Frühsport. Ich habe tatsächlich nach geschätzten 20 Jahren wieder mit einem Frisbee rumgeworfen. Richtig gut war aber, zu merken, dass der Körper noch funktioniert und die Pumpe nicht gleich platt macht. Für jemanden, der sein Leben lang Sport getrieben hat, war die Vision nun maximal noch bis zum Müllcontainer wackeln zu dürfen eher beängstigend. Deswegen war ich gespannt auf das Belastungs-EKG. Früher waren für mich 275 bis 300 Watt eher Gesetz, nun galt es die für mich empfohlene Marke von 200 Watt zu reißen. Ich habe geschwitzt und gewonnen. Allerdings war bei 200 Watt Schluß. Auch deswegen, weil mein Tischgenosse Ingo fröhlich winkend mit seiner Badehose Richtung Strand pilgerte. Ingo hat sich entschlossen, heute Vormittag blau zu machen. Er müßte sich heute dringend vom REHA-Streß erholen.

Genau den erlebe ich hier nicht. Es ist die Langsamkeit in Allem, die wirkt. Nicht nur, dass in dieser Klinik auch viele Herzpatienten untergebracht sind, auch die RollatortreiberInnen lassen ohnehin keine höhere Fortbewegungsgeschwindigkeit auf der Hauptverkehrsachse in der Klinik (passt locker ein deutsches Oberklassefahrzeug und ein Guidomobil durch) zu. Der Stress entsteht auch deswegen nicht, weil vermutlich zumindest alle Herzpatienten unter Beta-Blockern stehen und zudem noch einige nette Psychopharmaka-Cocktail intus haben. Ich überlege, ob diese lustigen Pillen nicht auf Staatskosten verordnet werden sollten. Ich überlege, ob ich zusammen mit der lieben Pharmaindustrie eine "Legalize-Bewegung" starten soll. Als Entschädigung zahlen die mir dann meine Tabletten, die ich zukünftig täglich bis zum Lebensende schlucken muß. Ich werde noch morgen mit den Pharmakonzernen Kontakt aufnehmen. Überlge ferner, ob ich dieses Thema meinem Bundestagsabge- ordneten fürs Füllen des Sommerloches vorschlagen soll.

Man schreibt sich.

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ich, nauch nichtraucher aber gerne mal was trinken: 187 cm und 89kg bei 47 lebensjahren

mag nicht annähernd das erleben, es sei denn ein abstruses buch zu veröffentlichen...

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