Sonntag, 15. August 2010
Besuchstag in der Reha: Bitte nicht füttern!
Ich mußte keine Freundschaft mit den Eichhörnchen schließen. Heute war Besuchstag in der Reha, soll heißen alle Ehefrauen, Ehemänner, Kinder, Neffen, Tanten, Onkels und sonstige Verwandte und Freunde besuchen ihre Lieben in der Klinik. Dachte immer, dass während der Woche die Gänge voll sind. Habe mich geirrt, heute am Sonntag war es nun richtig voll. Neben den Rollatoren kamen nun noch die Kinderwägen dazu. Natürlich geht eine Famile und die Verwandtschaft immer nebeneinander. Ein zügiges Durchkommen, um zum Beispiel noch schnell ein Stück Kuchen aus der Cafeteria zu ergattern war nicht möglich. Überhaupt die Cafeteria. Sollte eine Stelle in einer Krankenhaus- oder Rehacafeteria frei sein muß ich mich dort bewerben. Sämtliche Kuchen waren innerhalb einer Stunde weg. Stück 3,80, Sahne extra. Auch bei den Patienten fällt offensichtlich am Sonntag-Nachmittag jede Hemmung. Eben noch Schonkost und die mahnenden Worte der Diätassistentin sind noch nicht verklungen, schon beginnt die Schlacht um das fettigste Sahneteilchen. Ich gestehe, ich war auch auf der Jagd nach so nem Stück, aber zu langsam. Und die Nußecke wollte ich dann auch nicht. Also gab es demonstrativ ein Ballisto. Wegen Vorbild und so.

Das das hier keine Ferien auf dem Ponnyhof sind, wurde mir und anderen Cafteriabesuchern dann auch plötzlich klar. Keine 5 Meter entfernt sackt ein Mann auf einmal zusammen und wie aus dem Nichts stand plötzlich ein Arzt mit Bare da. Nach dem Abtransport hat dann wohl so Manchem sein Sahneteilchen nicht mehr geschmeckt. Ich hatte mein Ballisto schon verdrückt und habe mich davon geschlichen. Auch wenn ich diesen Satz "Lebe jede Minute als wäre es Deine Letzte" immer doof fand, inzwischen sage ich mir den jeden Morgen auf. Die Chance, die ich offenbar noch bekommen habe, will ich nicht vertun.

Mit nachdenklichen Grüßen aus der Reha Höhenried.

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