Sonntag, 22. August 2010
Ohne Mampf kein Kampf
Das Ernährung einer der Faktoren ist, die einem bei choronaler Herzerkrankung ein längeres Leben sichern können, ist wohl vielen hier (theoretisch) klar.
Umso dramatischer dann, wenn beim Abendbuffet die Wurstplatten ausgehen und kein Nachschub kommt. Die Alternative, Avocadoscheiben mit Olivenöl, kommt dann nicht so richtig gut an. Uwe hat immerhin eine Scheibe probiert. Dabei blieb es dann auch. Wort- und Gestenreich beschloss er, zum Italiener nach Tutzing aufzubrechen. Zwischenhalt bei der Tanke ist fest beabsichtigt. Uwe hat inzwischen ein kleines Geschäft als Marketender aufgebaut. Er fährt einmal am Tag nach Tutzing und kauft nach Bestellung ein. Meistens die Dinge, die auf keinem Ernährungsplan stehen und die vermutlich den erhobenen Zeigefinger des Arztes nach sich ziehen. Ebenfalls wohl Dinge (Druckerzeugnisse) die für herzkranke Männer jenseits der 60 wohl auch nicht angeraten sind. Natürlich schlägt Uwe noch "Spritgeld" auf die Einkaufspreise. Irgendwie clever, das Geschäft scheint zu florieren.

Auch nachdem Uwe abgerauscht ist, hat sich die Versorgungslage im Speisesaal nicht nachhaltig gebessert. Ich beobachte allerdings, wie sich die Serviererinnen in der Küche zusammenrotten. Offensichtlich wird Kriegsrat gehalten, was man den Patienten noch fürs Abendbuffet servieren kann. So ne Horde hungriger Patienten können dann ganz schön rabiat werden. Vor meinem Auge spielen sich dann schon Szenen ab, wie einige die Küche stürmen und die Kühlräume mit den schweinefleischfreien Frikadellen und der fettreduzierten Salami stürmen. Und schließlich auf massive Gegenwehr der Küchenbrigade stossen. Die wehren sich mit Salven von garantiert cholesterinfreien biologisch dynamischen Frühstücksaufstrich und Paketen von komplett fettfreien Industriekäsen.

Ganz soweit kommt es dann doch nicht. Die Küchenbrigade schickt zwei ihrer verdientesten und kampferprobten Genossinnen in den Saal. Jede trägt zwei Tabletts. Aus der Ferne sehe ich Aspikaufschnitt (für mich Glibber mit Fleischresten) und marinierte Tofuscheiben. Ich bringe mich schnell in Sicherheit. Mahlzeit!

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DANKE
Hey, danke fuer dein Blog. Ich habe schon verzweifelt nach Menschen gesucht, die UNTER 70 sind und auch eine Herz-OP hinter sich haben. Ich bin 52, - damit zwar viiiiel juenger als du - aber fuer mich ist dein Blog ein Lichtblick.
ich bin vor fuenf Jahren noch Marathon gelaufen und habe in meinem Leben fast immer Sport gemacht. Ausser in den letzten fuenf Jahren. Man hat bei mir durch ZUFALL eine kaputte Aortenklappe entdeckt, diese ersetzt und auch das erste Stueck der aufsteigenden Aorta, da es bereits ziemlich ausgesackt war. Da man mein Reizleitungssystem beschaedigt hat bei der OP stehe ich nun mit 52 mit einem Herzschrittmacher da und muss mich auch damit abfinden. Wie kommst du klar mit der Diagnose /bzw. OP? gibt es bei dir auch depressive Tage?
Noa aus Jerusalem

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